12. Oktober 2026
Clara Steinbrueck

So klappt das Inhalieren mit dem Dosieraerosol bei Kindern


Dein Kind soll mit einem Dosieraerosol inhalieren, aber sobald du mit dem Spacer um die Ecke kommst, ist das Geschrei groß? Die Maske wird weggeschoben, der Kopf weggedreht und an ruhiges Atmen ist überhaupt nicht zu denken?


Willkommen im echten Leben, wo sich Kinder nicht so verhalten wie im Beipackzettel 😅


Gerade bei kleinen Kindern ist das Inhalieren mit einem Dosieraerosol und Spacer manchmal eine echte Herausforderung. Schließlich soll dein Kind durch ein ziemlich ungewohntes Gerät atmen – und das ausgerechnet dann, wenn es krank ist und die Kooperationsbereitschaft sowieso schon am Boden ist.


Aber weißt du was? Inhalieren kann man üben. Und zwar spielerisch!


Mit ein paar einfachen Tricks wird der Spacer zum Feuerwehr-Atemschutzgerät, zur Tauchausrüstung oder sogar zum kleinen Schmetterlings-Abenteuer. So kann dein Kind die Inhalierhilfe ganz ohne Druck kennenlernen – am besten schon dann, wenn es ihm gut geht.


Ich zeige dir, wie du das Inhalieren mit Dosieraerosol und Spacer richtig vorbereitest, welche Fehler du vermeiden solltest und mit welchen Spielideen aus der Apotheke die Anwendung bei Kindern zwischen 2 und 6 Jahren entspannter gelingen kann.

Hallo, ich bin Clara Steinbrück. Als Apothekerin, Stillberaterin und dreifache Mama gehören Erkältungen zu meinem Alltag. In meinem Buch Kinderleicht durch die Erkältungszeit teile ich mit dir all mein Wissen, wie du dein Kind liebevoll und effektiv bei einer Erkältung begleiten kannst.

Das passiert bei einer obstruktiven Bronchitis


Hustende Kinder kennen wir alle und normalerweise ist Husten nicht weiter schlimm, wenn auch nervig. Wenn zum Schleim aber auch noch eine Schwellung der Schleimhäute und dadurch eine Verengung der Bronchien hinzukommt, spricht man von einer obstruktiven Bronchitis - und das kann für Kinder ganz schön anstrengend werden. Sie bekommen schwerer Luft, was man z.B. an einem Atemgeräusch vor allem beim Ausatmen bemerken kann. Zuerst wird dein Kind versuchen, über eine Erhöhung der Atemfrequenz den Sauerstoffmangel auszugleichen. Oft helfen auch die Naselflügel mit und stellen sich beim Atmen auf, um noch mehr Luft in die Lunge zu bekommen - während man zwischen den Rippen sieht, wie sich die Haut einzieht, denn auch dadurch können Kinder ihr Atemvolumen erhöhen. Spätestens jetzt ist es Zeit für einen Besuch in der Kinderarztpraxis und meistens wird dann ein Salbutamol-Spray verordnet.

Salbutamol - so hilft es deinem Kind.


Der Wirkstoff Salbutamol sorgt dafür, dass sich die verkrampften Muskeln rund um die Bronchien wieder entspannen. Die Bronchien werden weiter und vor allem das Ausatmen fällt deinem Kind wieder leichter. Am besten wirkt Salbutamol, wenn es inhaliert wird, denn dann ist der Wirkstoff genau da, wo er gebraucht wird.


Das Praktische: Salbutamol wirkt ziemlich schnell. Bereits wenige Minuten nach dem Inhalieren setzt die bronchienerweiternde Wirkung meist ein. Sie hält ungefähr vier bis sechs Stunden an.


Allerdings kann Salbutamol nicht alles: Es löst weder den Schleim direkt auf noch beseitigt es die Ursache der Erkrankung. Es hilft vor aber sehr gut dabei, die verengten Atemwege wieder zu öffnen.

Wichtig zu wissen: Salbutamol ist kein gewöhnliches Hustenmittel. Bei einem normalen Erkältungshusten ohne verengte Bronchien ist es in der Regel nicht sinnvoll. Ob dein Kind Salbutamol benötigt und wie häufig es inhalieren soll, entscheidet die Kinderärztin oder der Kinderarzt.

Dosieraerosol bei Kindern – warum ist ein Spacer so wichtig?


Salbutamol gibt es in unterschiedlichen Darreichungsformen. Besonders praktisch ist die Inhalation mit einem Dosieraerosol, also einem kleinen Medikamentenspray das aussieht wie ein klassisches "Asthma-Spray". Bei jedem Sprühstoß wird eine genau abgemessene Menge Wirkstoff freigesetzt, die dein Kind einatmet.


Der Vorteil: Das Salbutamol gelangt direkt dorthin, wo es wirken soll – in die Bronchien. So kann es die verengten Atemwege schnell erweitern.


Allerdings gibt es bei einem Dosieraerosol einen kleinen Haken: Damit möglichst viel Wirkstoff in der Lunge ankommt, müsste dein Kind genau im richtigen Moment einatmen, während der Sprühstoß ausgelöst wird.


Klingt einfach? Versuch das mal einem Zweijährigen zu erklären! 😅


Der Spacer macht das Inhalieren leichter


Genau deshalb gibt es den Spacer, auch Inhalierhilfe oder Vorschaltkammer genannt. Im Hand gibt es die VORTEX Inhalierhilfe bzw. AEROCHAMBER Flow-Vu.


Inhalierhilfen besitzen eine kleine Kammer aus Kunststoff oder Metall, die zwischen das Dosieraerosol und den Mund deines Kindes gesteckt wird. Bei kleineren Kindern kommt zusätzlich eine passende Gesichtsmaske zum Einsatz.


Wenn das Dosieraerosol auslöst wird, gelangt das Medikament zunächst in die Kammer. Von dort kann dein Kind den Wirkstoff mit mehreren ruhigen Atemzügen einatmen.



Der große Vorteil: Dein Kind muss nicht gleichzeitig einatmen und den Sprühstoß auslösen. Der Spacer macht das Inhalieren dadurch deutlich einfacher.

Maske oder Mundstück? Kinder unter 4 Jahren nutzen normalerweise eine passende Maske. Ältere Kinder sollten - sobald es klappt - auf das Mundstück wechseln, weil damit der Wirkstoff noch besser abgeatmet werden kann. 

Ich weiß, dass das Inhalieren mit einem Dosieraerosol bei Kindern ganz schön herausfordernd sein kann. Die Maske wird weggeschoben, der Kopf weggedreht und an ruhiges Atmen ist erstmal nicht zu denken.


Aber keine Sorge: Mit ein bisschen Übung und den richtigen Tricks können auch kleine Kinder lernen, entspannt durch den Spacer zu atmen.


Damit du weißt, worauf es wirklich ankommt, zeige ich dir jetzt Schritt für Schritt, wie du das Dosieraerosol mit Spacer bei deinem Kind richtig anwendest - und im Anschluss erkläre ich dir, wie man das ganze spielerisch den Kindern beibringen kann!

Dosieraerosol mit Spacer richtig anwenden – Schritt für Schritt

Schritt 1: Dosieraerosol vorbereiten

Entferne die Schutzkappe vom Dosieraerosol und schüttle es kräftig. So wird der Inhalt gut durchmischt.

2) Dosieraerosol und Inhalierhilfe vorbereiten

Entferne die Schutzkappen und stecke das Dosieraerosol in die Inhalierhilfe. Setze anschließend die passende Maske auf.


3) Maske aufsetzen und Sprühstoß auslösen

Verwendet dein Kind eine Maske, setze sie so auf, dass Mund und Nase vollständig umschlossen sind. Achte darauf, dass sie möglichst dicht am Gesicht anliegt.

Ist dein Kind schon etwas älter und kann mit einem Mundstück inhalieren? Dann soll es das Mundstück mit den Lippen fest umschließen.

4) Sprühstoß auslösen

Sobald dein Kind bereit ist, löst du einen einzigen Sprühstoß in den Spacer aus.


Wichtig: Auch wenn mehrere Hübe verordnet wurden, gibst du immer nur einen Hub auf einmal in die Kammer. Sonst kann sich ein größerer Teil des Medikaments an den Innenwänden ablagern, statt in den Bronchien anzukommen.




Schritt 4: Ruhig ein- und ausatmen

Jetzt darf dein Kind ganz normal 8-10 x durch den Spacer ein- und ausatmen. Es muss weder besonders tief Luft holen noch die Luft anhalten.


Mein Tipp: Viele Spacer haben eine kleine Ventilanzeige, die sich beim Atmen wie ein kleiner Schmetterling bewegt. Damit kannst du beobachten, ob dein Kind durch die Inhalierhilfe atmet.

Inhalieren mit Kindern spielerisch üben – so bringst du es deinem Kind bei!


So viel zur Theorie. Aber jetzt mal zurück ins echte Leben mit Kindern. 😅

Denn nur weil du jetzt weißt, wie das Inhalieren mit dem Dosieraerosol funktioniert, heißt das noch lange nicht, dass dein Kind begeistert mitmacht. Gerade für kleinere Kindern kann sich so eine Maske vor dem Gesicht ganz schön unheimlich anfühlen.


Mein wichtigster Tipp: Übt das Inhalieren erstmal ganz ohne Medikament!


Am besten in einem ruhigen Moment, wenn dein Kind gerade gut drauf ist. Denn mit ein bisschen Fantasie wird aus dem ungewohnten Spacer vielleicht sogar ein spannendes Spiel.


1. Erstmal ohne Dosieraerosol üben

Bevor es ernst wird, darf dein Kind den Spacer in aller Ruhe kennenlernen. Lass es die Inhalierhilfe anschauen, anfassen und entdecken.


Dann könnt ihr ausprobieren, wie sich die Maske auf dem Gesicht anfühlt. Setze sie zunächst nur ganz kurz auf und nimm sie wieder ab. Vielleicht möchte dein Kind sie sogar selbst halten?


Im nächsten Schritt könnt ihr üben, ein paar Mal ganz ruhig durch den Spacer ein- und auszuatmen. Wichtig: Das Dosieraerosol bleibt beim Üben abgesteckt. So kann dein Kind die Anwendung kennenlernen, ohne dass versehentlich ein Sprühstoß ausgelöst wird.


Und wenn es beim ersten Mal nur zwei Sekunden mitmacht? Auch das ist schon ein Anfang!


2. Lass den Schmetterling fliegen


Viele Spacer haben eine kleine Anzeige, an der du erkennen kannst, ob dein Kind durch die Inhalierhilfe atmet. Beim VORTEX® bewegen sich beispielsweise zwei blaue Ventilflügel. Die sehen ein bisschen aus wie ein kleiner Schmetterling.


Mach daraus ein Spiel: „Schau mal, da sitzt ein Schmetterling! Meinst du, du kannst ihn mit deinem Atem zum Flattern bringen?“


Plötzlich geht es nicht mehr darum, dass dein Kind inhalieren muss, sondern darum, dem Schmetterling beim Fliegen zu helfen. Bei anderen Spacern, zum Beispiel der AeroChamber Plus® Flow-Vu®, gibt es ebenfalls eine sichtbare Atemanzeige, die ihr gemeinsam beobachten könnt. Hier bewegt sich allerdings nur ein gelber Flügel.



3. Feuerwehr, Taucher oder Darth Vader?

Manchmal braucht es einfach eine gute Geschichte, damit aus einer ungewohnten Maske etwas Spannendes wird.


Ist dein Kind gerade im Feuerwehrfieber? Dann wird die Inhaliermaske zur Atemschutzmaske für den nächsten Feuerwehreinsatz.


Oder ihr taucht gemeinsam in die Unterwasserwelt ab. Natürlich braucht man dafür eine Tauchausrüstung!


Bei etwas älteren Kindern funktioniert vielleicht auch die Aufforderung: „Kannst du durch die Maske atmen wie Darth Vader?“


Wichtig ist nur, dass dein Kind dabei ruhig und normal atmet. Besonders tiefes, schnelles oder angestrengtes Atmen ist gar nicht nötig.



4. Mach es vor!

Kinder lernen unglaublich viel durch Nachmachen. Warum also nicht erst einmal selbst zeigen, wie das Inhalieren funktioniert?

Benutze dafür den Spacer selber mal (auch hier wieder ohne Dosieraerosol) und zeige deinem Kind, wie du ruhig durch das Mundstück oder die Maske atmest.


Vielleicht möchte dein Kind anschließend selbst ausprobieren, ob es die kleine Atemanzeige bewegen kann? So wird aus einer ungewohnten medizinischen Anwendung etwas, das ihr gemeinsam übt.


5. Kleine Erfolge feiern

Hat dein Kind die Maske kurz aufgesetzt? Super! Hat es sogar ein paar ruhige Atemzüge geschafft? Noch besser!


Lobe ganz konkret, was gut funktioniert hat: „Wow, du hast die Maske schon ganz alleine gehalten!“ oder „Hast du gesehen, wie schön der Schmetterling geflattert ist?“


Wenn dein Kind später das verordnete Medikament inhaliert und die Atmung dadurch leichter wird, kannst du auch dieses Erfolgserlebnis aufgreifen.


Und wenn es trotzdem nicht klappt? Dann versuche es beim nächsten Üben noch einmal in Ruhe. Ohne Druck und ohne daraus einen Machtkampf zu machen.


Bei einer akut notwendigen Inhalation solltest du die Behandlung allerdings nicht für längere Übungsversuche aufschieben. Wenn dein Kind das verordnete Medikament nicht inhalieren kann, hol dir zeitnah medizinische Unterstützung. Es gibt zur Not auch noch Salbutamol als Tropfen zum Schlucken, die allerdings lange nicht so schnell und gut wirken wie das inhalierte Salbutamol.



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Jetzt weißt du, wie dein Kind mit einem Dosieraerosol und Spacer richtig inhaliert – und wie ihr das Ganze spielerisch üben könnt.


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Clara Steinbrück von BeipackWissen

Hallo, ich bin Clara Steinbrück

Apothekerin I Stillberaterin I Mama


Ich blogge aus der Apotheke in dein Kinderzimmer und pack dir Wissen in deine Hausapotheke!

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Ich übersetze dir das ganze theoretische Fachwissen aus dem Beipackzettel in praktische Tipps, die du ganz leicht in deinen Familienalltag einbauen kannst.

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